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Zeitzeugin Ruth Brack
Mut tanken bei den Gründerinnen
(wim) 1954 kam Ruth Brack von Feusisberg nach Zürich, um sich als Studentin an der Schule für Soziale Arbeit einzuschreiben. Der Unterricht bei Paula Lotmar und anderen Dozierenden eröffnete ihr eine Welt, von der sie in ihrem Bauerndorf nur träumen konnte. «Entwicklungspsychologie zum Beispiel, ich sog alles wie ein Schwamm auf», erzählte sie auf der Bühne des Sozial-Labors am Jubiläumsanlass. In der Klasse war sie mit 21 Jahren eine der Jüngsten, die andern waren meist schon über 30 Jahre alt. So profitierte sie von deren Berufserfahrungen. Sie erinnerte sich auch, wie eine ihrer Lehrerinnen, Frau Hofer, aus den USA mit neuen Methoden zurückkam: die «Einzelhilfe» oder die «Gruppenarbeit», diese Methoden «musste man drüben holen».
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Europa war damals, mit Ausnahme von Holland, ein ödes Land, was die Theorie der Sozialen Arbeit betraf. So flog Brack selbst in die USA und machte 1961-63 in Denver, Colorado, den Master in Sozialer Arbeit und spezialisierte sich zum Thema «Gruppenarbeit».
In den USA wurden ausgebildete Sozialarbeiter als Experten angesehen. In der Schweiz und im deutschsprachigen Raum dagegen galten sie wenig. Ein Leben lang hat sich Ruth Brack dafür eingesetzt, dass der Status der Sozialarbeit mit anderen akademischen Graden vergleichbar wird, «sonst machen wir noch lange die Arbeit von HandlangerInnen», sagte sie.
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«Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie» erklärte Brack. Warum? «Weil sie einem die Praxis erhellt.» Brack war ein Mitglied der «Viererbande», welche die «Scientific Community» der «Zürcher Schule» begründete. Silvia Staub- Bernasconi und Werner Obrecht formulierten die theoretischen Grundlagen, Kaspar Geiser und Brack transponierten diese in die Praxis der Sozialen Arbeit. Und was wünscht sich Brack für die Zukunft der Sozialen Arbeit? «Dass sie mit dem gleichen Mut und der gleichen Überzeugung an die Arbeit geht, wie die Gründerinnen.»

KURZBIOGRAPHIE
*1933
Dozentin für Handlungslehre 1964 – 2004
Ruth Brack studierte 1954 – 1957 an der „Soz“ und war danach Lehrbeauftragte für diverse Seminare, u.a. Handlungslehre.
1961 – 63 hat sie in den USA studiert, dort mit dem Master of Social Work abgeschlossen und neue Methoden wie die „Einzelhilfe“ und „Gruppenarbeit“ umgesetzt.
Sie baute ab 1964 die „Schule für Sozialarbeit“ in Gwatt auf und war nach 1975 in der „Vereinigten Schulen für Sozialarbeit Bern“ in verschiedenen Funktionen engagiert.


