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Zeitzeuge Ueli Bichsel
Zum Lachen und zum Weinen
(wim) 1976 ging Ueli Bichsel an die Aufnahmeprüfung der «Soz» und fiel durch. Er konnte nicht erklären, worum es bei der so genannten «Heimkampagne» ging. «Zum Lachen», meinte Bichsel und legte Rekurs ein. Er wurde dann doch aufgenommen. Nach zwei Jahren Studium und zwei Jahren als Sozialarbeiter in einem Heim hing er den Beruf an den Nagel und ging, 28 jährig, zum Theater. Seit 30 Jahren schreibt er Stücke, macht Regie und spielt. Aktuell ist er in seinem Stück «Ex hübenwiedrüben» auf dem Sterbebett zu sehen, mit seiner Partnerin Silvana Gargiulo. Ein todernstes und gleichzeitig ein sehr lustiges Stück.
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Ernst und lustig war auch das Gespräch am Jubiläumsanlass, das Bichsel mit dem Moderator Christoph Keller führte. Und es wurde immer ernster und immer lustiger: Der Wind frischte auf, füllte das Cabriolet-Dach über der Bühne des Sozial-Labors, im Hintergrund rollte der Donner und erste Blitze zuckten durch den Nachthimmel. Dann kam das Gewitter, sie sprachen weiter, der Regen trommelte immer lauter, das Publikum sass mehr oder weniger am Trockenen und verfolgte das Schauspiel auf der Bühne, ein Gespräch über den Zusammenhang von Sozialer Arbeit und Theater, das sich zu einer eigentlichen Performance über alles Drohende im Leben entwickelte, wobei es viel zu lachen gab, dafür sorgte der Komiker Bichsel.
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Soziale Arbeit liesse sich auch als Bühne verstehen, auf der verschiedene Akteure auftreten: die so genannten Klienten, die Sozialarbeiter, die Angestellten der Behörden, Politiker usw. Um sich gut zu behaupten, muss man auch gut auftreten und seine Rolle richtig spielen, so Bichsel und betonte: «In der ganzen Tiefe, welche die eigene Geschichte ausbreitet». Im Theater sei dies selbstverständlich, in der Sozialen Arbeit, so hat das Bichsel erlebt, habe man dagegen oft Angst, das auszuloten. Und wenn es tragisch werde, wenn es clowneske Züge annehme, zum Lachen und zum Weinen sei, dann spiele die Soziale Arbeit oft nicht mehr mit.
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Mit Mitteln der Performance liesse sich das weiterziehen, das bewies Bichsel während des Gesprächs auf der stürmischen Bühne des Sozial-Labors, und der Moderator Keller, Redaktor bei Radio drs II, spielte mit. Zum Schluss wandte sich Keller an Bichsel: «Performance, Theater und Soziale Arbeit, könnten Sie dies als Kurs an der Hochschule anbieten?» Die Antwort fiel kurz aus: «Klar.»

KURZBIOGRAPHIE
*1952
Komiker und Schauspieler
Aktuell mit dem Programm «Ex – hübenwiedrüben» unterwegs. Frühere Produktionen: «Die Lufthunde», «Zirkus Federlos». www.uelibichsel.ch
Ursprünglich Hochbauzeichner, dann Lehre als Krankenpfleger.
Studierte 1976 – 1978 an der «Soz» und arbeitete in verschiedenen Heimen.
Bichels wurde Sozialarbeiter, weil er «in der Pufferzone», im Zwischenraum arbeiten wollte. Damals hatte die Soziale Arbeit einen hohen Status. «Warum heute nicht mehr?», fragt sich Bichsel.


