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Zeitzeuge Res Strehle

Vom Wahrnehmen und brüchigen Wahrheiten

(wim) «Ich wurde beim ‚Feind’ ausgebildet und als Aussendozent an der ‚Soz' manchmal auch so wahrgenommen», erzählte Res Strehle am Jubiläumsanlass vor grossem Publikum. Strehle, an der Hochschule St.Gallen ausgebildet, versuchte die künftigen Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen in die Ökonomie einzuführen und dozierte 1992 – 1998 über die ökonomischen Aspekte von Suchtproblemen. Gleichzeitig habe er auch an der Berufsschule unterrichtet und dabei Kochlehrlinge in die Buchhaltung eingeführt, da sei es handfester zu und her gegangen als an der Schule für Soziale Arbeit, wo man immer sehr lieb miteinander umgegangen sei.

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«Möchten Sie heute nochmals an der Hochschule für Soziale Arbeit unterrichten?» wollte die Moderatorin Cornelia Kazis wissen. «Heute hätte ich mehr Mühe zu dozieren», erklärte Strehle, «denn unterdessen sind ein paar Wahrheiten brüchig geworden.» Da eigne sich die Form des Dozierens weniger, lieber würde er ein Seminar anbieten. Zu welchem Thema? «Medien und die Soziale Arbeit – wie sie sich gegenseitig wahrnehmen.» Ein Raunen ging durchs Publikum.


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Das Thema Wahrnehmung sei erst spannend, wenn es um beide Seiten gehe, sagte Strehle, heute stellvertretender Chefredaktor beim Tages-Anzeiger. Augenzwinkernd fügte er an: Vielleicht müsste die Soziale Arbeit mehr aus ihrem Schatten treten und ihre Standpunkte öffentlich vertreten. Soziale Arbeit sei eine öffentliche Sache und müsse sich auch darum kümmern, wie sie wahrgenommen werde. Dies nur den Medien zu überlassen sei blauäugig. Die Moderatorin Kazis, im Alltag Redaktorin im Ressort Gesellschaft bei Radio drs II, fügte an: Ihr sei aufgefallen, dass Vertretern der Sozialen Arbeit oft die Sprache fehle, um ihre Standpunkte öffentlich darzustellen. «Begriffe alleine reichen nicht aus, es braucht auch konkrete Beispiele und Geschichten, die es auf den Punkt bringen», so Kazis.


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Wie stellen die Medien die Soziale Arbeit und deren Fragen dar? Themen wie «Sozialmissbrauch» oder «Jugendkriminalität» würden oft in einem «Bashing» ausufern, meinten mehrere Stimmen aus dem Publikum, da konnte sich Strehle nicht entziehen. Doch er machte ein Angebot: «Für gute Themen sind wir zu haben.»

Res Strehle

 

 

KURZBIOGRAPHIE

*1951  

Stv. Chefredaktor Tages-Anzeiger  

Res Strehle war 1992 – 1998 Lehrbeauftragter an der „Soz“ für Ökonomie.  

Er doktorierte an der Hochschule St. Gallen mit einer Arbeit über „Die Interdisziplinarität in den Sozialwissenschaften“.  

Strehle arbeitete danach als Pressechef im Gottlieb Duttweiler-Institut, später als freier Journalist und als Redaktionsmitglied der WochenZeitung (Woz). 1998 – 2001 war er Wirtschaftschef der Weltwoche und danach leitete er die Redaktion von „Das Magazin“ des Tages-Anzeigers.