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Tagebuch
23.09.2008: «Gelungener Start des Sozial-Labor in Horgen»
(lst.) Zwei Jubiläen: 100 Jahre ZHAW Departement Soziale Arbeit und 10 Jahre Jugendpolitik Horgen bildeten den inhaltlichen Rahmen der Eröffnung. Die Begrüssung übernahm Georges Köpfli, Projektleiter Sozial-Labor Horgen. Prof. Dr. U. Blosser, Direktorin Departement Soziale Arbeit fokussierte bei Ihrer Jubiläumsansprache auf die gemeinsame Zusammenarbeit der Gemeinde Horgen und der Fachhochschule in Horgen. Sie spannte den inhaltlichen Bogen von «Wenn es uns nicht gäbe…» bis zum Aspekt der Wertschöpfung der sozialen Arbeit in der heutigen Gesellschaft. Walter Bosshard, Gemeindepräsident Horgen und Ulrich Meyer, Jugendbeauftragter Horgen erläuterten den anwesenden Gästen den Stellenwert der Horgner Jugendpolitik und das Grossprojekt «Horgen 2020». Als Studentenvertreterin erläuterte Tabea Bruggmann die Entstehung der sich im Zelt befindenden Ausstellung «Jung und Alt».
Ein erster Höhepunkt: Das Referat von Dr. Remo Largo
Besonders erfreut warten die Gäste über das Referat mit anschliessender Diskussion von Dr. Remo Largo. Als international bekannter und renommierter Kinderarzt und Professor für Kinderheilkunde hat er durch seine Bücher bereits unzählige Eltern in der Erziehung unterstützt. Sein Referat baute auf der Grundvoraussetzungen auf, die Kinder benötigen, um sich gut entwickeln zu können: Kinder sollten sich nie allein fühlen und als Individuen akzeptiert werden. Bezugspersonen, seien es die Eltern, Krippenleiter oder Lehrer, begleiten die Kinder, damit sie sich zu starken Erwachsenen entwickeln können. Passend eingebaut ins Referat waren Filme, die aufzeigten, dass Kinder primär durch Nachahmen sozialisiert werden und somit die Bedeutung von erwachsenen Vorbildern in der ganzen Tragweite deutlich machte: Die Vorbilder prägen die Entwicklung der Kinder. Die nachfolgende Diskussion, moderiert von Brigitte Jenny, Dozentin an der ZHAW, wurde von den anwesenden Besucherinnen und Besuchern genutzt, um praktische Erziehungstipps zu erfragen.
War die Lehrstellensuche früher einfacher?
Fachleute aus den Bereichen Schule, Arbeitgeber, Berufsbildungszentren, Berufsberatung aber auch betroffene Jugendliche stellten sich in einer Podiumsdiskussion der Frage, ob die Lehrstellensuche früher einfacher war. Unter der Leitung von Dr. Walter Schmid, Präsident der SKOS und Rektor der Fachhochschule Luzern, ergab sich ein reger Austausch an Informationen und persönlichen Erfahrungen. Fazit: Die Lehrstellensuche ist heute anders, da die Anforderungen an die aus der Schule in die Berufswelt übertretenden Jugendlichen heutzutage teilweise grösser und komplexer sind. Gab es früher eine überschaulichere Anzahl an Berufen, die man lernen konnte, gibt es heute eine Riesenauswahl an Möglichkeiten, die die Berufswahl nicht wirklich vereinfacht. Auch wird festgehalten, dass durch den Stellenwert der Elektronik/ Informatik die Anforderungen an Schulabgänger höher wurden.
24.09.2008: Ein Tag für die Jugend
(ebe.) «Von der Schule in die Lehre – oder in die Leere?» – mit dieser Problematik beschäftigt sich Corinne d’Huoc vom Berufsinformationszentrum (biz) Horgen täglich. Die diplomierte Psychologin war am Mittwoch am Mittagsgespräch beim Sozial-Labor mit dabei, um Interessierten Fragen zum Thema Lehrstellen zu beantworten. «Für die Jugendlichen ist es von grosser Bedeutung, dass die Lehrstellensuche für die Eltern ein Thema ist und dass diese ihre Kinder unterstützen - und nicht nur Erwartungen an sie haben», sagte Corinne d’Huoc. Die Suche nach einer Lehrstelle sei im Vergleich zu früher schwieriger geworden. «Dank der guten Konjunkturlage während den letzten Jahren hat sich die Situation bei den Lehrstellen aber wieder etwas entschärft», sagte Corinne d’Huoc weiter. Während des Mittaggesprächs wurde im Zelt vor dem Sozial-Labor auch der Dokumentarfilm «D’Träum sind halt nöd immer d’Realität» vorgeführt. Der von den Jugendsekretariaten Affoltern und Dietikon produzierte Film zeigt Interviews von Jugendlichen auf ihrer Suche nach einem Beruf. Die Jugendlichen berichten über ihre beruflichen Wünsche – aber auch von deren Erfahrungen, die sie während ihrer Arbeitssuche machten und von den Hürden, die sie auf ihrem Weg zu überwinden haben.
10 Jahre Jugendpolitik in Horgen
Kinder- und Jugendpartizipation stand im Mittelpunkt des Referats von Ulrich Meyer, in dem er im Saal des See la vie auf zehn Jahre Jugendpolitik Rückschau hielt. In seiner Position als Jugendbeauftragter der Gemeinde Horgen ist er direkt dem Gemeinderat unterstellt und betreut die Dossiers Arbeit, Familie, Schule und Freizeit – von denen er in das letztere am meisten Zeit investiert. «Ich bin das Bindeglied zwischen dem Gemeinderat und der Jugend von Horgen», sagte Ulrich Meyer. Zusammen mit der Jugend-Kulturfabrik See la vie und dem Jugendparlament ist die «drehscheibe» das wichtigste Standbein der Horgner Jugendpolitik. Die «drehscheibe» ist ein gemeinsames Projekt der Gemeinde Horgen und der katholischen und reformierten Kirchgemeinden. «Die Bündelung der Ressourcen der politischen und kirchlichen Gemeinden in Horgen ist sehr aussergewöhnlich», sagte Ulrich Meyer weiter. Das Büro der «drehscheibe» befindet sich an der Zugerstrasse 46 und dient als Anlaufstelle für Jugendliche bei allen möglichen Fragen wie zu Bewerbungen und Drogen - aber auch für kulturelle Bedürfnisse. «Wir möchten Jugendliche dazu motivieren, Ihre Freizeit aktiv zu gestalten»
Horgner Jugend gestaltet das kulturelle Programm
Als Beispiel von Jugendpartizipation stellten im Anschluss an Meyers Referat die Horgner Jugendlichen Michael Peter, Alexander Greil und Marco Francesconi dem Publikum ihr Kino-Projekt «Horgen 1930“» vor. Da es in Horgen kein Kino gegeben hatte, entschlossen sich die Horgner Jugendlichen, selber eines auf die Beine zu stellen – inklusive VIP-Loge und Bar. In einem Saal des Kirchgemeindehauses zeigen sie einmal pro Monat Action- und Familienfilme. «An unsere Vorführungen kommen bis zu 70 Personen», erklärte Michael Peter stolz. Ihre Freizeit aktiv gestalten tun auch die Horgner Bands „Double Aight Ten“ (Hiphop), „Band Ray“ (Rock) und Thierry Loser (Folk), deren Konzerte im See la vie vor einem begeistertem Publikum den Abschluss der Tages-Aktivitäten beim Sozial-Labor bildeten.
25.09.2008: Gestaltung der Horgner Zukunft
(ebe.). Auftakt zum dritten Tag des Sozial-Labors in Horgen bildete wie am Vortag ein Mittagsgespräch: «Kindeswohl und Kinderschutz» war das Thema der von der ZHAW-Dozentin Dr. Anna Maria Riedi moderierten Diskussion. Am Gespräch ebenfalls anwesend waren Christian Frösch (Schulsozialarbeiter), Monica Fernandez (Jugend- und Familienberaterin), Peter Meier (Vormundschaftsbehörde) und Roberto Frick (Schulpsychologe). Diskutiert wurde unter anderem über die Zusammenarbeit zwischen Sozialarbeitenden und der Vormundschaftsbehörde oder über die Bedeutung des Kinderschutzes in der Region Horgen.
Älter werden in Horgen
Im Anschluss an das Mittagsgesprächs wurde das Horgner Altersleitbild 2008 etwa fünfzig, meist älteren Personen vorgestellt. Verantwortlich für das Leitbild ist die Strategiekommission «Alter Horgen», die aus Hanspeter Leuthold, Jacqueline Gübeli, Daniela Mosbacher, Doris Hösli-Lampe und Robert Rahm gebildet wird. Wichtigster Auftrag der Kommission ist, sich den Bedürfnissen und Wünschen von älteren Horgnerinnen und Horgner anzunehmen und altersverträgliche Lebensräume zu schaffen. Ausserdem soll die Kommission dafür sorgen, dass sich ältere Menschen in Horgen wohl fühlen und ein selbstbestimmtes Leben führen können.
«Horgen 2020» - Visionen vom Horgen von übermorgen
Horgen wird aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen laufend vor neue Herausforderungen gestellt: so wird die Bevölkerung von Horgen in den nächsten Jahren auf 20'000 wachsen, neue Migrationsgruppen lassen sich nieder, die Bodenpreise steigen. Der Horgner Gemeinderat hat auf diese prognostizierten Veränderungen reagiert und das Projekt «Horgen 2020» ins Leben gerufen, mit dem die gesellschaftspolitischen Herausforderungen mittels eines «Mitwirkungsverfahren», das die Bevölkerung partizipieren lässt, gemeistert werden sollen. Präsentiert wurde das Projekt am Nachmittag im «See la vie» von Gemeindepräsident Walter Bosshard und dem Jugendbeauftragten Ulrich Meyer. Das Projekt befindet sich noch in der Planungsphase: Bis jetzt haben breit zusammengesetzte Projektgruppen verschiedene Szenarien vom Horgen der Zukunft ausgedacht und formuliert. Während der Präsentation gingen die Referenten auf die verschiedenen Szenarien ein, welche in Untergruppen klassifiziert wurden und die eine Vielzahl an Leitzielen enthalten. «Wir wollen ein qualitatives Wachstum: Auch wenn Horgen exklusiver wird, soll es eine durchmischte und eine für alle Generationen lebendige Gemeinde bleiben», sagte Walter Bosshard. So sollen sich beispielsweise ältere Menschen auch in Zukunft sicher fühlen können, die Bevölkerung gesundheitsbewusst sein und die Natur geschützt werden. Neben den Leitzielen wurden von verschiedenen Projektgruppen für jedes Szenario auch Handlungsziele definiert, die die Realisierung der Vorsätze gewährleisten sollen.
Die Zukunft im Gespräch
Das Projekt «Horgen 2020» war auch das Thema an der von Martina Steinhauser (DRS Regionaljournal) moderierten Podiumsdiskussion. Geführt wurde die Diskussion zwischen Hanspeter Hongler (ZHAW-Dozent), Walter Bosshard, Ulrich Meyer und Hanspeter Leuthold (Sozialvorsteher Horgen). Der Fokus der rege besuchten Diskussion richtete sich auf die Chancen und Gefahren des «Mitwirkungsverfahrens» und die Bewahrung der sozialen Durchmischung in Horgen.
26.09.2008: Armut als Stigmata
(ebe.). «Armut ist arm, Ausschluss ist Schluss» – dieser Satz entstammt von einem von Armut betroffenen Kind, der in einer Broschüre der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen abgedruckt wurde. Der ZHAW-Dozent Georges Köpfli zitierte diesen Satz, um das von ihm geleitete Mittagsgespräch «Dazugehören – ausgeschlossen sein» zu eröffnen. Während seines Referats ging Georges Köpfli hauptsächlich auf die Herausforderungen ein, die bei der gesellschaftlichen Integration von sozial benachteiligten Menschen an das Gemeinwesen und die Soziale Arbeit gestellt werden. Denn Armut führe in vielen Fällen auch zu sozialer Isolation – hervorgerufen durch Scham. Georges Köpfli berichtete in diesem Zusammenhang von verschiedenen Fällen aus der Praxis. Wie zum Beispiel von einer Frau, die bis zu Ihrer Scheidung dreimal pro Monat mit ihren Freundinnen auswärts essen ging. Als die Frau geschieden und auf die Alimentszahlungen ihres Ex-Mannes angewiesen wurde, konnte sie sich die Restaurantbesuche nicht mehr leisten. Daraufhin erzählte sie ihren Freundinnen jeweils Ausreden, wenn das Essen in einem Restaurant wieder auf deren Agenda stand. Denn sie schämte sich für ihre finanzielle Situation und wollte nicht eingeladen werden, wodurch sie sich von ihren Freundinnen entfernte.
Der Preis der Armut
Von Fällen sozialer Isolation, die durch Armut verursacht wurden, berichtete auch die am Mittagsgespräch ebenfalls anwesende Doris Hösli-Lampe (Leiterin Sozialamt Horgen). «Die Scham der von Armut betroffenen Menschen begegnet uns täglich und ist eine grosse Herausforderung», sagte sie. Als Beispiel nannte Frau Hösli-Lampe den Fall einer Mutter, die alles dafür tue, um die durch die Spielsucht des Vaters verursachten Schulden der Familie zurückzubezahlen. «Die Frage, wer für die Armut verantwortlich ist, sollte aber nicht gestellt werden, denn der Preis der Armut bezahlen alle Familienmitglieder», sagte Doris Hösli-Lampe weiter.
Minderbemittelte im Kanton Zürich
Am Abend gab Georges Köpfli im Saal vom «See la vie» einen kurzen Einblick zum Thema «Aufwachsen in Armut». Gemäss dem Sozialbericht 2006 des Kantons Zürich sind Kinder und Jugendliche die am stärksten vertretene Gruppe bei den Sozialhilfebeziehenden. 2006 erhielten im Kanton Zürich 6,2% aller minderjährigen Personen Unterstützung durch die Sozialhilfe. Dies entspricht 14'789 Personen, von denen 47,7% in Ein-Elternfamilienhaushalten leben. Alleinerziehende Eltern sind also ebenfalls überproportional von Armut betroffen. Das Referat und somit auch die Woche des Sozial-Labors in Horgen schloss Georges Köpfli mit einem Zitat vom ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela ab: «Die Überwindung der Armut ist kein Akt der Barmherzigkeit, sondern ein Akt der Gerechtigkeit.»
















