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Die «Soz» im PKZ-Gebäude
Das PKZ-Gebäude: Ein Umbau für ein pädagogisches Experiment
Mitte der 1970er Jahre war die Hochschule für Soziale Arbeit Zürich mit ihren sechs Abteilungen an verschiedenen Orten über das Quartier Enge verstreut und bot auch inhaltlich ein divergierendes Bild. «Ein Dach für eine Schule» lautete das Motto 1976 – und im Januar 1977 konnte der Betrieb im umgebauten ehemaligen PKZ-Gebäude an der Bederstrasse bereits aufgenommen werden. Alle Abteilungen waren auf 2000 Quadratmetern vereint, die Phase der Konsolidierung wurde baulich umgesetzt. Das PKZ-Gebäude, einst für die serienmässige Herstellung von Kleidungsstücken errichtet, sollte jedoch nicht für eine fabrikartige Formung von Studierenden eingerichtet werden, im Gegenteil: Statt auf eine konfektionierte Form der Ausbildung in sozialer Arbeit setzte die Schulleitung mit einem gewagten architektonischen Konzept auf neue Formen der Vermittlung. Damit veranschaulicht der Umbau ein eindrückliches Kapitel in der hundertjährigen Geschichte der Schule.
Statt fertigstellen Experimente wagen
Als Erziehungsdirektor Alfred Gilgen vor der offiziellen Eröffnung am 11. März 1977 durch die neue Schule geführt wurde, betrachtete er die unverputzten Backsteinwände und fragte: «Wann wird das fertiggestellt?» Der damalige Rektor Antonin Wagner erinnert sich, wie er Gilgen eine halbe Stunde vor der Eröffnung nochmals erläuterte, dass sich die Schule mit der baulichen Gestaltung an ein pädagogisches Experiment heranwagen würde, wobei das Fertigstellen explizit nicht das Ziel sei. Offenbar hat das Gilgen eingeleuchtet, denn der Jahresbericht fasst dessen Rede so zusammen: «Der Erziehungsdirektor sprach sich mit Überzeugung dafür aus, dass Pädagogen in einer betont leistungsorientierten Gesellschaft für Experimente und Reformen offen bleiben und den Mut zu Neuem nicht verlieren sollten.» Allerdings soll er auch davor gewarnt haben, einer Versuchseuphorie zu verfallen.
Greifen und Begreifen
Wie präsentierte sich die neue Schule bei der Eröffnung? – Die offenen Etagen im ehemaligen Fabrikationsgebäude wurden mit unverputzten Backsteinwänden – rohen Backsteinen, nicht Sichtbacksteinen – unterteilt. Rechte Winkel und halbrunde Wände wechselten scheinbar ohne Konzept ab. Die Türen und einzelne Backsteinwände waren in allen möglichen Farben bemalt, allerdings nicht mit Dispersionsfarbe, sondern mit Naturpigmenten. Wer sich anlehnte, trug Farbe mit sich fort. Chaotisch waren die Lampen aufgehängt; es wurde keine ausgewogene Beleuchtung angestrebt, sondern ein Spiel von Licht und Schatten. Und überall gab es verglaste Durchblicke, in die Unterrichtsräume wie in die Büros der Dozierenden. «Der Unterreicht wird auf diese Weise transparent, die Ausbildung zu einer öffentlichen Angelegenheit», schreibt Rektor Wagner im Jahresbericht 1977 und fährt weiter: «Die Schule wird zum Werkplatz, zum Workshop.» Pädagogik sollte nicht bloss abstrakte Theorie bleiben, sondern begreifbar werden. «Begreifen hat immer etwas mit Greifen zu tun», so lautete einer der Standpunkte, die am neuen Ort vertreten wurden.
Das menschliche Mass
Die beauftragten Architekten Bryan C. Thurston und Manfred Christen gingen bei ihrem Umbaukonzept von Le Corbusiers Modulor aus. Modulor bezeichnet ein architektonisches Prinzip, das auf den menschlichen Proportionen basiert und von der Höhe der Wände über die Grösse der Zimmer bis zur Breite der Schränke alles definiert. Im Mittelpunkt steht das menschliche Mass. Nicht nur das Auge, sondern den ganzen Körper sollte die Architektur ansprechen. Daher wimmelte es von Stufen, auf die man sich setzen konnte, Emporen zum Besteigen und Nischen, um sich zurückzuziehen. Gleichzeitig musste der Umbau jedoch auch nüchtern ausfallen, denn eine teure Architektur konnte sich die Schule nicht leisten.
Keine Extravaganzen
Der Umbaukredit von 870 000 Franken für eine Fläche von 2000 Quadratmetern, für eine ganze Schule mit 300 Studierenden, war knapp bemessen. Man erzählte sich, die Stadt Zürich habe damals für den gleichen Betrag nur vier Schulzimmer in ein altes Feuerwehrmagazin einbauen lassen. «Mit dem Umbau einer Kleiderfabrik zu einer Schule haben wir einen eigenen Beitrag zur Redimensionierung in der Schulpolitik geleistet», schreibt Wagner im Rückblick auf den Umbau. Im Zug der Rezession Mitte der 1970er Jahre wurde der Defizitbeitrag der Stadt Zürich an die Schule für Soziale Arbeit von 1 Million auf 700 000 Franken reduziert. An allen Enden musste gespart werden, Extravaganzen lagen nicht drin. Zur Realisierung musste die Schule auch neue Finanzierungsquellen erschliessen. Durch eine Geldsammlung bei Mitgliedern des Trägervereins der Schule sowie bei Gemeinden und Kirchgemeinden kamen 80 000 Franken zusammen. Und 40 000 Franken resultierten aus einem teilweisen Lohnverzicht von drei Vierteln der Dozierenden und Verwaltungsangestellten der Schule.
Theorie und Praxis: Grenzen der Transparenz
Und wie bewährte sich der neue Standort der Schule nach dem Umbau? – Ein Jahr nach dem Bezug erschien im «Magazin» des «Tages-Anzeigers» eine reich bebilderte Reportage. Der Autor und Architekt Paul Romann, der viele Gruppen von Architekten und pädagogischen Fachleuten durch das Gebäude geführt hatte, kommt dabei zu einem zweischneidigen Schluss: Er zollt der Schule und dem Architekten Thurston grossen Respekt für den Mut zum experimentellen Vorgehen. Er stellt in seiner Reportage jedoch auch fest, dass ein Grossteil der verglasten Wandschlitze zugeklebt sind, «nicht mit billigem Packpapier, sondern mit Reproduktionen von Kirchenfenstern, die immerhin noch eine gewisse Transparenz gewähren». Zu viel Transparenz, schlechte Akustik und Lärm hätten sich in der täglichen Schularbeit als Probleme herausgestellt. Die offenen Bürozonen wurden systematisch mit Wänden und Türen abgetrennt, damit der Lärm der Schreibmaschinen und die diskutierenden Studierenden weniger störten.
Martin Widmer, Autor und Historiker
Liebe Leser und Leserinnen, welche Erinnerungen an die Schule für Soziale Arbeit im ehemaligen PKZ-Gebäude tauchen bei Ihnen auf, als Dozierende, ehemalige Studierende oder als Verwaltungsmitarbeitende?
Für ein Mail an mail(at)martinwidmer.ch bedanke ich mich im Voraus. Ich werde versuchen, einzelne Erinnerungen diesem Text anzufügen.









