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Das sozialisationstheoretisch-interaktionistische Modell

Im Rahmen der berufsbegleitenden Ausbildung in Sozialer Arbeit BSA wurde in den 80er Jahren in der Tradition interaktionistischer Ansätze ein Modell entwickelt, das sich als Beschreibungs- und Erklärungsmodell mit der Frage befasst, wie individuelle Autonomie und Handlungsfähigkeit in unterschiedlichen Systemen (Familien, Schule, Hilfssysteme der Sozialen Arbeit etc.) ermöglicht, gefördert und gesichert werden können. Das ursprünglich von Charles Suter für die BSA entwickelte interaktionistische Modell wurde von Kitty Cassée, Barbara Los-Schneider und Karin Werner weiterentwickelt zum Sozialisationstheoretisch-interaktionistischen Modell SIM, in das aktuelle sozialisations- und entwicklungstheoretische Konzepte integriert wurden. Das Modell liefert die Basis, Formen erschwerter und belasteter Sozialisation im Zusammenspiel individueller und systemischer Bedingungen zu beschreiben, zu erklären und zu verändern.  

 

Kitty Cassée erweiterte das Modell 2007 um ein Handlungsmodell – die so genannte Kompetenzorientierung. Das Modell entwickelt angloamerikanische und holländische Konzepte für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien in belasteten Lebenssituationen weiter. Die Kompetenzorientierung analysiert mit Hilfe strukturierter Diagnoseinstrumente die Bewältigung alltäglicher Aufgaben und leitet daraus Interventionsschritte ab, die auf die Verbesserung der individuellen Lern- und Entwicklungschancen so wie auf Veränderung der Bedingungen für Entwicklung und Lernen in relevanten Systemen (Familie, Schule, Arbeitswelt, Gleichaltrigengruppe, Hort, Krippe etc.) abzielen. Aktuell ist das Modell für die Kinder- und Jugendhilfe und für die Arbeit mit Familien ausformuliert – die Konkretisierung für andere Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit ist geplant.  

 

Prof. Dr. Kitty Cassée, Dozentin und Leiterin des MAS Kinder- und Jugendhilfe am Departement Soziale Arbeit    

 

Literaturhinweise:

Cassée, K., Los-Schneider, B. & Werner, K. (2003). SIM – ein integratives Modell für die Soziale Arbeit.  Zürcher Beiträge zur Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit, 7. Zürich: Hochschule für Soziale Arbeit.

Cassée, K. (2007). Kompetenzorientierung. Eine Methodik für die Kinder- und Jugendhilfe. Bern: Haupt.

Cassée, K. (2008). KOFA-Manual – Handbuch für die kompetenzorientierte Familienarbeit. Bern: Haupt.