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Auf dem Weg zur Fachhochschule

Nomen est omen. – Wenn im Namen die Bedeutung liegt, dann gilt das um so mehr für Namensänderungen: 1949 wurde die damalige Soziale Frauenschule Zürich in Schule für Soziale Arbeit Zürich umbenannt, denn nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begannen auch die ersten Männer an der Schule zu studieren. 1999 erhielt die Schule die Anerkennung als Fachhochschule und hiess bis 2007 Hochschule für Soziale Arbeit Zürich (HSSAZ). Pünktlich zum hundertjährigen Bestehen bekam sie erneut einen neuen Namen: Department Soziale Arbeit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. Mit den neuen Namen waren auch drei Wechsel der Trägerschaft verbunden. Bis 1999 wurde die Schule von einem privaten Verein getragen, mit dem neuen Status einer Hochschule war die Überführung in eine Stiftung verbunden. Seit 1. Januar 2008 ist die Schule Teil der ZHAW und also eine kantonale Institution.  

 

Studienbesuche in den USA seit den 1950er Jahren

Und wie haben sich die Inhalte verändert? – Die Frage, wie die Lehrpläne den Entwicklungen im Sozialbereich anzupassen seien, hat die Schule während ihrer hundertjährigen Geschichte immer wieder beschäftigt. Die Diskussion, inwieweit die soziale Arbeit den Status einer wissenschaftlichen Disziplin benötigt, um für ihre Anliegen das nötige Gehör zu finden, hat in der Schweiz in den 1950er Jahren begonnen. Dozierende der damaligen Schule für Soziale Arbeit Zürich hatten sich unter anderem in den USA weitergebildet, wo die soziale Arbeit als akademische Disziplin anerkannt war. In die Schweiz zurückgekehrt, hatten sie es jedoch schwer mit ihrem Selbstverständnis als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sei es bei den Fachkolleginnen oder gegenüber den Vertretern der anerkannten akademischen Disziplinen. Diskussionen, wie das Niveau der Sozialarbeitsausbildung anzuheben sei, wurden laufend geführt und die Inhalte des Unterrichts angepasst.  

 

Neue Dynamik nach 1980

Mit den Entwicklungen der 1980er und 1990er Jahre im Hochschulbereich setzt eine neue Dynamik ein. An der «Soz» rang man darum, wie die neuen Lehrpläne die Eigenarten sozialer Arbeit genügend einbeziehen. Parallel dazu entwickelten Dozierende der Schule in den letzten beiden Jahrzehnten die Theorie der Sozialen Arbeit weiter zum «Systemischen Paradigma der Sozialen Arbeit» und legten damit Grundsteine einer Sozialarbeitswissenschaft, die international unter dem Namen «Zürcher Schule» bekannt wurde. Der Entschluss zur Anhebung des Ausbildungsniveaus reüssierte 1999 in der Anerkennung als Fachhochschule: Sogleich begannen die ersten Ausbildungsgänge mit wissenschaftlichem Anspruch. Zudem wurden in der neuen Fachhochschule verschiedene Studiengänge zu einer Generalistenausbildung zusammengefasst und der erweiterte Leistungsauftrag wurde durch die Einrichtung der Abteilung Forschung und Entwicklung komplettiert.  

 

Herausforderung Bologna

Die neu benannte Hochschule für Soziale Arbeit Zürich stellte sich kurz darauf auch der Herausforderung Bologna. Nun verschmolzen auch die Lehrgänge der Vollzeitausbildung, der Teilzeitausbildung und der berufsbegleitenden Ausbildung zu einem Curriculum. Die Entwicklung der Ausbildung führte unter den Dozierenden zu weit reichenden Diskussionen über die Gefahren einer Verschulung und eines Verlusts des Praxisbezugs einerseits und über die Vorteile einer Akademisierung des Berufsstandes nach europäischem Standard anderseits. Der Konzentrationsprozess unter den schweizerischen Fachhochschulen führte schliesslich zur Integration der HSSAZ in die ZHAW und damit zur Aufgabe des selbständigen Status. Im Wintersemester 2005/06 begannen die ersten 79 Studierenden den Bachelor-Studiengang. Ihre Weiterbildung auf Master-Stufe ist gesichert: Im Herbst 2008 beginnt – in Kooperation mit den Hochschulen für Soziale Arbeit in Bern, St. Gallen und Luzern – die erste Ausbildung zum Master of Social Work.  

 

Martin Widmer, Autor und Historiker